cellaceramica

Ergänzungen zum Buch

Hier werden Ergänzungen und ggf. Berichtigungen zu unserem Buch veröffentlicht. Zusätzlich sollen in unregelmäßiger Folge weniger bekannte Ausstellungstücke und neue Erkenntnisse präsentiert werden, die über die Inhalte unseres Buches hinausgehen. Es lohnt sich immer wieder reinzuschauen!

Info #13 - Keramik in Drahtgeflechten

Drahtkorb

Das Foto zeigt einen Drahtkorb, bei dem der Boden aus einem Reliefteller aus Zell mit der Fomnummer 2 besteht. Wir danken der Sammlerin Frau H. Effenberger für viele andere Beispiele runder, ovaler und quadratischer Drahtkörbe und den Hinweis, dass es slawische Drahtbinder waren, die dieses Handwerk begründeten. Sie erinnert auch daran, dass Eltern ihren Kindern die kleinen Drahtschalen mit Süssigkeiten darin schenkten. Auch Verliebte nutzten sie gerne, wozu passt, dass die Drahthenkel oft in Herzform ausgeführt waren.

Untersetzer-138

Drahtgestelle wurden auch für Untersetzer verwendet, in die runde Platten oder quadratischen Fliesen eingelegt waren. Bei den Stücken, die uns zugänglich sind, stellen die meisten Keramikeinlagen hinsichtlich Motiv, Ausfertigung und Formnummer (unter 1000, also vor 1900) frühe Stücke aus dem Biedermeier dar.

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Info #12 - Ein Ausdruck der Gesinnung

Zahlteller

In unserem Buch haben wir hin und wieder angemerkt, wie die produzierte Keramik auch weltanschauliche Strömungen widerspiegelt.

Ein besonders drastisches Beispiel dafür stellt der abgebildete Zahlteller dar. Die ganze Physiognomie des dargestellten Mannes, seine besitzergreifende Umarmung der Münzen, sowie die Bildunterschrift "Stilles Glück" transportieren bestimmte Vorurteile des unbekannten Entwerfers oder der Entwerferin zu dieser Zeit. Die Formnummer 2082 deutet nach der Grafik in unserem Buch auf ein Design um 1910 hin. In einem Formenbuch, das wenige Jahre später die Produkte der Fabrik (oft mit Fotos) darstellt, wird die Plastik handschriftlich als "Jude" bezeichnet, was in späteren Jahren durchgestrichen und durch "Schale" ersetzt wurde. An dieser Keramik wird deutlich, dass die von den Nationalsozialisten propagierte Ideologie schon Jahrzehnte vorher so verbreitet war, dass man offensichtlich glaubte, ein solches Machwerk auch in hinreichender Zahl verkaufen zu können.

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Info #11 - Porzellan Viktoria

Viktoria

Im Jahr 1930 brachte die Firma Georg Schmider das Porzellanservice "Viktoria" heraus. Die abgebildete Schüssel besticht durch die einfache Form im Art déco. Der Dekor mit der Porzellannummer 497 ist in schlichtem Rot und Gold gehalten.

Viktoria Annonce

Die Form "Victoria" wurde in vielen Zeitschriften beworben, oft auch mit einem Steingutservice in derselben Annonce. Bekannt ist auch ein Porzellandekor in Gold und Grün. Neben dem Essservice wurden auch Teile für ein Kaffeeservice produziert.

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Info #10 - Modell der Schwarzwaldbahn

Schwarzwaldbahn

In der Sammlung der Stadt Zell a. H. gibt es eine interessante Keramik von ca. 44 cm Breite, die eine topographische Ansicht der Schwarzwaldbahn zwischen Hornberg und Triberg zeigt.

Die Streckenführung ist als rote (in den Tunnels als unterbrochene) Linie gezeichnet. Auf der linken Frontseite des schwarzen Blocks mit dem Text "Schwarzwaldbahn" steht "G. Schmider Zell a. H.", rechts ist ein Zeichen, wohl ein Firmenlogo. Möglicherweise war die Keramik ohne eingeprägte Formnummer (2378) ein Werbegeschenk dieser Firma. Die Schwarzwaldbahn mit ihrer komplizierten Streckenführung, die den damaligen politischen Verhälnissen geschuldet war, ist ein besonderes Zeugnis der damaligen Ingenieurkunst. Näheres über die Schwarzwaldbahn ist z.B. zu finden unter:

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Info #9 - Wandteller mit Namensdekoren

Teller Willy

In einer bebilderten Preisliste "Decor Barock" aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert sind verschiedene Teller mit Männernamen abgebildet.

Teller Werner

Die Motive sind sehr unterschiedlich und reichen von floralen Mustern ("Willy", links, mit der Formnummer 1068 und 42 cm Durchmesser) zu Mustern mit einer "Verzierungsweise, die sich an alte Muster der Barockzeit anlehnt". Der Teller "Werner", rechts, hat die Formnummer 538 und misst 25,5 cm im Durchmesser.

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Info #8 - Jugendstilfliesen anderer Hersteller

Keine Schmider-Fliese

Bei Sammlern von Jugendstilfliesen tauchen immer wieder Fliesen auf, die ihrer Größe, Glasierung und Farbwahl nach den Jugendstilfliesen der Firma Georg Schmider ähneln und oft auch als solche bezeichnet und vermarktet werden. Sie passen aber nicht in das Formnummernverzeichnis von Schmider und sind auch in keinem Verzeichnis von Zell abgebildet.

Marke einer Nicht-Schmider-Fliese

Wenn ein Betrachter unserer Seiten die Manufaktur dieser Fliesen identifizieren kann, bitten wir um Nachricht, damit wir die Information dann mit allen teilen können. Danke.

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Nicht-Schmider-Fliese 2

Marke einer Nicht-Schmider-Fliese 2
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Info #7 - Schmetterlingsschälchen

Schmetterlingsschälchen

In unserem Buch ist auf Seite 98 ein wunderschönes Schmetterlingsschälchen mit der Bildunterschrift "Schälchen im Jugendstil (Höhe 18 cm). In verschiedenen Ausführungen in der Sammlung der Stadt Zell vorhanden. Die Formnummer ist unbekannt." abgebildet. Von Prof. Wolfgang König, Mitautor des Buches: "Carl Sigmund Luber" König-Wechselbaum Verlag Einbeck (2006) ISBN 978-3-00-019164-0 haben wir zwei Fotos eines roten Exemplars erhalten.

Ritznummer

Die geritzte Nummer "S 1696" auf der Rückseite und andere Indizien führen Wolfgang König zu der festen Überzeugung, dass das Schälchen von der Fa. Johann von Schwarz, Nürnberg, gefertigt worden ist.

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Info #6 - Zeller Keramik in Museen der Schweiz

von Prof. Andreas Heege, Zug

Dekor Pearl-ground

Neben Schramberg und seltener Hornberg, war Zell am Harmersbach im 19. Jahrhundert einer der grossen Steingutlieferanten für den schweizerischen Markt. Außer Bildergeschirr mit verschiedensten Umdruckdekoren (z. B. Pearl-ground; s. Fotos), waren vor allem auch Teller mit naiver Blumenmalerei und «launigen» Sprüchen beliebt, z.B. Wen(n) Junggesellen Küsse fischen, So dürfen wir das Maul nicht wischen; oder: Wohin die Liebe treibt ist der Weg nicht weit; oder: Mein Liebchen streubt vor andern sich sind wir allein dann küsst Sie mich.

Kanne Pearl-ground

Es lohnt sich, die Beispiele aus Zell am Harmersbach auf der Bilddatenbank CERAMICA CH genauer anzuschauen.

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Info #5 - Bildergeschirr aus Zell. a. H.

Martienß Bildergeschirr

In den ersten fünfzig Jahren des neunzehnten Jahrhunderts stellte die Firma von Johann Ferdinand Lenz in Zell a. H. Gebrauchsgeschirr her, das mit dem Kupferumdruckverfahren dekoriert war. Man beachte den Entenschnabel am Ausgießer der Kaffeekanne und die wunderbar geschwungene Form des Milchgießers, während Teekanne und Rahmkännchen eine strengere Tonnenform besitzen.

Lenz Bildergeschirr

Etwas später entstand das prächtig dekorierte Kaffeegeschirr. Hier fällt der Würmchendekor ins Auge, der den Raum zwischen den Medaillons ausfüllt. Diese enthalten Szenen aus dem Morgenland. Eine Kartusche auf dem Deckel der Kaffeekanne enthält das Monogramm von Jakob Ferdinand Lenz.

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Info #4 - Jugendstil aus Zell a. H.

733 Jardiniere

Die kurze Epoche des Jugendstils fand auch in der Keramik aus Zell a. H. ihren Ausdruck. Einige Wandteller, Aschenbecher, Schreibzeuge, Vasen und Jardinieren sind in Form und Dekor des Jugendstils ausgeführt. In der Jardiniere (oben) gehen Jugendstilelemente (Form und Seepferdchen-Henkel) mit dem traditionelleren Schwarzwalddekor eine gelungene Synthese ein. Wenngleich die Frau mit dem Pflanzgefäß aufgrund der fehlenden Farbe etwas "Grabsteinhaftes" besitzt, zeigt diese Figur mit ihrem Kopfschmuck und dem wallenden Gewand verschiedene Merkmale des Jugendstils. Die Unterlage, auf der das Blumenbehältnis steht, ist vorne mit einem Pfau verziert.

Figur mit Blumenbehälter

Sammlung Stadt Zell a. H.; Foto: Lohmüller.

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Info #3 - 2 Ansichten auf kleinen Tellern

Hohen-Geroldseck

In der Biedermeierzeit hatte man gerne sowohl Ansichten der großen weiten Welt als auch aus der näheren Umgebung bei sich zu Hause. Die Zeller keramischen Fabriken verzierten unterschiedlich große Steingutteller von unter 15 cm Durchmesser bis zu über 45 cm mit Umdruckansichten. In unserem Buch zeigen wir über 120 Ansichtsteller. Das Tellerchen mit 16 cm Durchmesser und der ganz frühen Formnummer 49 zeigt die Burgruine Hohen-Gerolsdeck etwa 10 km von Zell a. H. entfernt.

Rütli-Tellerchen

Sehr viele Motive zeigen Ansichten aus der Schweiz, die auch ein wichtiges Absatzgebiet für die Zeller Keramik war. Unser Teller mit der Formnummer 463 zeigt das Rütli am westlichen Ufer des Urnersees, eines Arms des Vierwaldstättersees. Der Legende nach soll auf dieser Wiese das Bündnis der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden geschlossen worden sein.

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Info #2 - Zierfliesen

Burg

Zierfliesen für Möbeleinlagen waren ein wichtiger Produktionszweig der Zeller Keramischen Fabriken. In unserem Buch sind über 100 davon abgebildet. Erst jüngst haben wir eine dort noch nicht gezeigte Fliese mit einer Burganlage in einem schwach ausgeprägten Relief erhalten. Die Fliese mit der Modellnummer 766 passt mit ihren Maßen von 13,1 cm x 13,1 cm nicht in das übliche Raster der Zeller Fliesenmaße von 10 cm, 12,5 cm, 15 cm oder 20 cm.

Lenz Fliese

Von den in unserem Buch abgebildeten einfarbigen Wandfliesen aus der Zeit der Firma Lenz, die die Außenwand der Zeller Sozialstation zieren, haben wir jetzt ein farbiges Exemplar bekommen. Da auch dessen Rückseite glasiert ist, gehen wir davon aus, dass die Fliese für die Verwendung in Möbeln oder als Untersetzer gedacht war. Das Motiv ist auch auf den keramischen Seitenteilen der Prunkuhr zur Jubiläum der Schwarzwaldbahn in etwas verkleinertem Maßstab wieder aufgenommen (Abb. 9-01 und 9-02 in unserem Buch).

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Info #1

4 Stück

Die Designerin Anneliese Beckh hatte in den 1950er Jahren für die Firma Georg Schmider Gebrauchskeramiken in einem ihr typischen Stil und Dekor geschaffen. Neben dem im unserem Buch abgebildeten Aschenbecher (u. re.) gibt es weitere Aschenbecher (u. li.), Milchgießer (o. li.), Vasen (o. re.).

Buckelkatze

Ein interessantes Teil ist auch die abgebildete Katze als Milchgießer im Dekor "Tigris" mit der Formnummer 4132.

Sammlung Stadt Zell a. H. Foto: Lohmüller

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